|
|
Aus der polnischen Antikriegsbewegung
Initiative "Stop Wojnie" - Stopp dem Krieg http://www.irak.pl/Stop/indexA.html
Der Krieg gegen den Irak bildet einen gefährlichen Präzedenzfall – falls es in der Welt nicht einen genügend starken Widerstand gegen die Gelüste der US-Administration geben wird, wird die US-Armee jederzeit jedes beliebige freie Land angreifen können. „Beweise“ für seine „verbrecherische“ Tätigkeit finden sich immer.
An den Präsidenten und den Premier der Republik Polen Wir
möchten unseren Widerspruch ausdrücken gegen die Unterstützung, die der
US-Regierung seitens der polnischen Regierung erteilt wurde bei der militärischen
Intervention im Irak. Wir meinen, dass zu Anfang des 21. Jahrhunderts solche
Konflikte nur auf friedlichem Wege gelöst werden müssen. Es gibt nichts, das
die zusätzliche humanitäre Katastrophe für Millionen Menschen rechtfertigen würde,
die schlimm genug gelitten haben infolge des Embargos und des Regimes von Saddam
Hussein, der jahrelang durch die US-Regierung unterstützt wurde bei dem Wissen
über ihn, das man auch jetzt hat. Wir
fordern den Rückzug polnischer Soldaten aus dem Irak und die Aufnahme von
Handlungen, die diese rechtswidrige Besatzung beenden.
Nicht für amerikanische Militärbasen. Polnische
Politik-Eliten haben sich dem US-Diktat vollkommen unterworfen, durch ihre
unverantwortliche Politik verwickelten sie uns alle in einen Krieg, den wir
nicht wollten. Es
stellte sich heraus, dass die öffentliche Meinung nichts zählt, die zu 70 %
gegen den Krieg ist; das Mandat der internationalen Organisationen zählt
nichts; die UNO wurde ignoriert, die keine Zustimmung zur militärischen
Intervention im Irak gegeben hat; die Meinung des Parlaments zählt nicht; die
Stimme des Papstes zählt nicht, dem bisher die Politiker so gerne ihre
Verbundenheit geschworen haben. Die Wahrheit zählt nicht, wenn private und
Regierungsmedien die Bombardements der Städte als „die Befreiung eines
Volkes“ bezeichnen, die Getöteten als „Opfer der Fehler der Piloten“, den
Aggressor als „Friedensbefürworter“, und die Gegner des Krieges als
„Heuchler“. Niemand mehr hat wohl noch Zweifel, dass sogenannte
„chirurgische Schläge“ auf militärische Ziele reine propagandistische
Fiktion sind. Jeder Krieg trifft in erster Linie die Zivilbevölkerung. Wir
leben immer noch in einer Welt der institutionalisierten, staatlichen
Gewaltherrschaft. Immer noch entscheiden Washington und Moskau über Krieg und
Frieden, über Sein oder Nichtsein ganzer Nationen, die wie die Tschetschenen,
Kurden, Iraker, Albaner, Serben, Afghanen zum Gegenstand politischen Feilschens
werden. Tod und Leid unschuldiger Menschen zählen nicht. Die
polnische Gesellschaft, voller schmerzvoller Erfahrung durch Aggressionen
seitens der Nachbarn und Greueltaten des letzten Krieges, wird heute in den
Augen der Welt zum Aggressor. Wir erinnern uns zu gut an die Slogans über die
Panzer, die Freiheit und Demokratie bringen, um den Erklärungen der Ideologen
der antiirakischer Koalition zu glauben. Es
ist bekannt, dass der heutige US-Präsident die Wahlen bei starker finanzieller
Unterstützung der Öl- und Energiekonzerne gewonnen hat; Irak verfügt über
die größten In der Welt (nach Saudi-Arabien) Erdölvorkommen, und die US-Vorräte
gehen schnell zur Neige. Das Ziel des Kriegs gegen den Irak ist nicht die
Verbesserung der Lebensbedingungen der Iraker, sondern Expansion und Stärkung
der US-Hegemonie im Nahen Osten. Es ist ein Krieg um Öl und geopolitische
Dominanz. In Saudi-Arabien herrscht eine ähnlich blutige Diktatur, die über
die meisten Massenvernichtungswaffen unter den arabischen Ländern verfügt, die
aber zuvorkommend (bis jetzt) den Ölhahn öffnet, deshalb eilt niemand mit
Bombenteppichen, um „die Demokratie zu stärken und das leidende Volk zu
befreien“. Es
besteht kein Zweifel daran, dass Saddam Hussein ein ernster Verbrecher ist und
sein Regime außerordentlich brutal und grausam. Vor dem Golfkrieg 1991 und
sogar danach hielten die USA und Großbritannien seine Greueltaten jedoch für
wenig bedeutend vor dem Hintergrund der Staatsräson. Wie man sieht, beeinflusst
die wirtschaftliche Rezession sehr leicht die Ansichten von Regierenden der Großmächte. Der
Krieg gegen den Irak bildet einen gefährlichen Präzedenzfall – falls es in
der Welt nicht einen genügend starken Widerstand gegen die Gelüste der
US-Administration geben wird, wird die US-Armee jederzeit jedes beliebige freie
Land angreifen können. „Beweise“ für seine „verbrecherische“ Tätigkeit
finden sich immer. Wer jedoch meint, dass die Welt besser wird dank des um
„Freiheit“ und „Demokratie“ kämpfenden Welt-Gendarmen, der ist im
tiefen Irrtum. Blutige Diktatoren oder Junten, die dem „großen Bruder“ treu
bleiben, können ruhig schlafen. Sie werden nicht einmal die
„Unannehmlichkeit“ einer symbolischen Resolution vor dem UNO-Forum erfahren,
die ihre Verbrechen verurteilt – die USA zeigten in der Vergangenheit, dass
sie solche Initiativen wirkungsvoll blockieren können. Nach
einigen Monaten des Kriegs sieht man deutlich, warum die USA, neben China und
Russland, die Gründung des Internationalen Gerichtshofs nicht ratifiziert
haben, dessen Aufgabe die Strafverfolgung der Kriegsverbrechen ist. Indem
die USA Massenvernichtungswaffen anwenden – Clusterbomben, abgereichertes
Uranium und Napalm, die dem internationalen Recht nicht entsprechen, und
Benzinbomben, müssten sie heute auf der Anklagebank sitzen. Wir
wollen nichts zu tun haben mit der verbrecherischen Politik zugunsten der
amerikanischen Finanz-Eliten. Deshalb gehen wir auf die Straße, um zu sagen:
„Nicht in unserem Namen“. Wir wollen diesen Krieg nicht, wir wollen das Geld
nicht, das mit diesem Krieg und dem Unglück anderer Völker verdient wurde.
Deshalb fordern wir den Rückzug polnischer Soldaten aus dem Irak und die
Aufnahme von Handlungen, die diese rechtswidrige Besatzung beenden. Wir
wollen zukünftig in keine Konflikte verwickelt werden. Wir sind mit der
Stationierung amerikanischer Militärkräfte auf den polnischen Gebiet nicht
einverstanden, ähnlich wie wir in der Vergangenheit mit der Anwesenheit
sowjetrusischer Militäreinheiten nicht einverstanden waren. Wir
widersprechen der geplanten Ausgabe von acht Milliarden Dollar Rüstung, während
im Staatshaushalt das Geld für Gesundheitsfürsorge und Sozialhilfe fehlt. Offener Brief an europäische Gesellschaften April
2003
Der
Krieg ist ausgebrochen, den wir um jeden Preis verhindern wollten. Dieser Krieg
ist ungerecht; zynisch und vorsätzlich ausgelöst. Polnische gesellschaftliche
Organisationen protestieren seit mehreren Wochen gegen diesen Krieg und gegen
die Beteiligung der polnischen Armee daran. Präsident
Aleksander Kwaśniewski und Premierminister Leszek Miller vertreten die
polnischen Bürger nicht, indem sie aggressiv die Interessen der USA unterstützen
und polnische Soldaten nach Irak schicken. Ohne das moralische Mandat zum
Auftritt im Namen des Landes haben sie die Entscheidung ohne die Zustimmung der
polnischen Gesellschaft getroffen und sich damit außerhalb der demokratischen
Ordnung positioniert. Die
Anwendung der militärischen Gewalt gegen den Willen der Bürger, gegen alle
Gesetze, auch gegen das Völkerrecht, ist ein Verbrechen. Die undemokratische
und unsoziale Einstellung der polnischen Regierung bestätigen die Ereignisse
der letzten Wochen.
Übersetzung aus dem Polnischen: Hanna Ackermann nach http://www.irak.pl/Stop/Do%20Prezydenta%20i%20Premiera%20RP.rtf
|
|
|
Arbeit
für den Frieden kostet Geld. Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende. |